Selbsthilfegruppen#

Selbsthilfegruppen bieten Unterstützung und Austauschmöglichkeiten für Betroffene und Angehörige. Gerade der Austausch mit anderen kann sehr hilfreich sein.

Aber Achtung: Gerade bei ADHS gibt es viele unterschiedliche Ansätze und Philosophien. Nicht jede Gruppe passt zu jedem. Es lohnt sich, verschiedene Gruppen auszuprobieren, um die passende zu finden.

Wichig: Selbsthilfegruppen ersetzen keine professionelle Therapie oder medizinische Behandlung. Sie können jedoch eine wertvolle Ergänzung sein.

Selbsthilfegruppe finden#

Allgemein: Etliche Gruppen kann man über die Suche des ADHS Deutschland e.V. finden: https://adhs-deutschland.de/unser-angebot/selbsthilfegruppen/suche

Hier gibt es auch Filter für verschiedene Gruppenarten (Eltern, Erwachsene, Angehörige, etc.)

Achtung: Nicht alle Daten sind immer aktuell. Am besten direkt Kontakt aufnehmen mit den leitenden Personen. So kannst Du feststellen, ob die Gruppe zu Dir passt und die Treffen statt finden.

Eine andere Anlaufstelle sind lokale Kultureinrichtunge, Beratungsstellen oder Kliniken, die oft auch Selbsthilfegruppen anbieten oder vermitteln können.

Selbsthilfegruppen Knigge#

Safespace und alles bleibt in diesem Raum#

Selbsthilfegruppen sind oft Safespaces, also geschützte Räume, in denen Vertraulichkeit und Respekt groß geschrieben werden. Was in der Gruppe besprochen wird, bleibt in der Gruppe. Das bedeutet, dass Du nichts von dem, was andere Teilnehmende erzählen, außerhalb der Gruppe weitergeben darfst. Das schafft Vertrauen und ermöglicht es den Teilnehmenden, offen über ihre Erfahrungen zu sprechen, ohne Angst vor Verurteilung oder Stigmatisierung haben zu müssen.

Wenn Du eine Person außerhalb der Gruppe triffst, die Du aus der Selbsthilfegruppe kennst, solltest Du also nicht auf das Treffen oder die Gespräche darin ansprechen. Besonders nicht in Begleitung. Es sei denn, es passiert einvernehmlich, so dass ihr beide das explizit wollt.

Ratschläge sind auch Schläge#

Die meisten Selbsthilfegruppen haben das Motto: “Ich darf immer nachfragen, bleibe aber bei mir. Unerbetene Ratschläge oder Meinungen werden nicht gegeben.”.

Beispiel:

Eine Teilnehmerin erzählt, dass sie Probleme hat, morgens pünktlich aufzustehen und zur Arbeit zu kommen. Wir erinnern uns an “Ratschläge sind auch Schläge”!

“Du musst disziplinierter sein!” oder “Das wird nie was!”, ist schnell gesagt, aber ist nicht unbedingt hilfreich. Ganz im Gegenteil! Es wertet die Person ab und sie fühlt sich nicht ernst genommen.

Viel schöner ist doch ein “Ich kenne das! Mir hat ja XY geholfen. Und trotzdem ist es schwer”. Dies erzählt von mir selbst und gibt der Person die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, ob das für sie hilfreich sein könnte. Und weil ja nicht alle Leute gleich sind, muss es ja nicht für jeden passen.

Manchmal ist aber auch ein “Oh Mensch, das kenne ich auch!” ein guter Beitrag. Falls Dir doch aber eine direkte Lösung oder Idee einfällt, die Du teilen möchtest, kannst Du das ja immer noch am Ende des Gesprächs anbieten: “Falls Du magst, kann ich Dir gerne erzählen, was mir geholfen hat.” So bleibt es immer noch die Entscheidung der Person, ob sie das hören möchte oder nicht.

Bringe deine Themen ein und stehe für Dich ein#

Du hast gerade ein Thema, dass dich stark bewegt (z.B. Diagnose, Medikation, Fragen)? Dann nehme das Thema mit und spreche es in der Gruppe an. Oft gibt es am Anfang der Runde eine Möglichkeit, Themenwünsche zu äußern. Falls die Gruppe Interesse an deinem Thema hat, kann es besprochen werden. Vielleicht ergibt sich aber auch einfach ein Austausch unter den interessierten Teilnehmenden in den Pausen oder nach dem offiziellen Teil der Treffen.

Herausfoderung Moderation#

In vielen Selbsthilfegruppen gibt es eine Moderation oder Leitungsperson, die das Treffen organisiert und ggf. durch den Abend führt.

Fast immer klappt das super und die Moderation sorgt dafür, dass alle zu Wort kommen und die Gespräche im Rahmen bleiben. Manchmal sind diese jedoch selbst etwas überfordert mit der Aufgabe, da sie selbst auch Betroffene sind und nicht immer die nötige Erfahrung oder Ausbildung haben.

So kann es passieren, dass die Moderation nicht immer eingreift, wenn Gespräche ausufern oder einzelne Teilnehmende dominieren. Oder die Moderation selbst begeht Fehler, z.B. indem sie Ratschläge, unangebrachte Kommentare von sich gibt oder zu sehr in eine Richtung lenkt. Das passiert zwar nur ganz selten, ist aber trotzdem ärgerlich.

Sei hier nachsichtig - die Moderation macht das meist ehrenamtlich und mit bestem Willen. Falls es sich aber dauerhaft negativ auf Deine Teilnahme auswirkt, sprich die Moderation ruhig darauf an oder kontaktiere den Träger der Gruppe.

Sei mutig aber habe Geduld#

Manche Teilnehmende sind eher zurückhaltend und warten darauf, dass jemand anderes das Gespräch beginnt. Aber andere wiederum ergreifen stetig das Wort und dominieren die Gespräche, was für manche Teilnehmende ermüdend sein kann.

Auch hier hilft eine gute Moderation, die alle zu Wort kommen lässt. Falls Du das Gefühl hast, dass Du zu kurz kommst, sprich die Moderation ruhig darauf an. Vielleicht kannst Du auch selbst mutig sein und Dich in Gespräche einbringen. Oft sind andere Teilnehmende auch froh, wenn jemand anderes das Gespräch beginnt.

Genau so okay ist es aber auch, wenn Du erstmal nur zuhörst und die Gruppe auf Dich wirken lässt.