Objektpermanenz#
Das Problem#
Eigentlich ein Begriff aus der Entwicklungspsychologie, der beschreibt, dass ein Kind versteht, dass ein Objekt weiterhin existiert, auch wenn es nicht mehr sichtbar ist.
Tatsächlich haben viele Menschen mit ADHS Schwierigkeiten mit diesem Konzept im übertragenen Sinne. Wenn eine Aufgabe oder ein Ziel nicht ständig präsent ist, fällt es schwer, daran zu denken oder motiviert zu bleiben.
Ich habe also kein Problem zu wissen, dass etwas existiert, aber ich verliere es schnell aus den Augen, wenn ich mich nicht regelmäßig daran erinnere. In etwa wie ein Computer, dessen Arbeitsspeicher zu klein ist und daher ständig Daten auslagern muss. Das klappt mal nicht oder es ist sehr anstrengend. Wenn ich also eine Aufgabe nicht ständig vor Augen habe, “vergesse” ich sie schnell, auch wenn ich weiß, dass sie da ist.
Beispiel#
Ich möchte einen Brief verschicken. Er ist bereits frankiert und liegt auf dem Regal. Wenn ich jedoch die Wohnung verlasse und eine Jacke anziehe, sehe ich das Regal nicht. Die Folge: Ich vergesse den Brief einfach jedesmal.
Hier ist die Lösung sehr offensichtlich: Ich stecke mir den Brief am besten in eine Tasche, die ich an die Wohnungstüre hänge. So kann ich nicht anders, als ihn mitzunehmen.
Komplexere Aufgaben#
Andere Dinge sind jedoch komplexer, z. B. das regelmäßige Einnehmen von Medikamenten, das Erledigen von Hausarbeiten oder das Vorbereiten auf einen Termin. Hier hilft es, wenn ich mir stumpf Erinnerungen setze. Ich nutze dafür immer mein Smartphone, um mich an solche Dinge zu erinnern. Das ist immer dabei und ich vergesse es nicht. Und es ist laut.
Selbst meine Erinnerungen habe ich als “Alarm” eingestellt, sodass ich auch wirklich daran erinnert werde.
Ich merke zudem, dass es mich sehr entlastet, wenn ich mir solche Reminder stelle. Kein stetiges “ICH MUSS DARAN DENKEN!” mehr im Kopf. Oder noch schlimmer: “An was sollte ich mich erinnern? MIST!” Sondern einfach nur ein “Oh, da war doch was…”, wenn der Alarm losgeht.
Nervig bleibt jedoch immer, dass ich bei einem Gedanken diesen am besten sofort in einen Reminder umwandeln muss, sonst vergesse ich ihn wieder. Und das kann ich in sozialen Situationen oder beim Sport nicht immer einfach so machen.
Brain-Dump#
Eine weitere Technik, die mir hilft, ist der sogenannte “Brain-Dump”. Dabei schreibe ich mir alle Sachen, die mir gerade durch den Kopf gehen (z.B. Wissen, was ich gerade aufgenommen habe, Ideen für Geschenke für eine Person die mir gerade kommen usw.) einfach auf. Ich nutze dafür eine einfache Notizen App auf meinem Smartphone (auch hier: es ist immer dabei, ich vergesse es nicht). So kann ich meinen Kopf entlasten und muss nicht ständig daran denken. Gefühlt in 90% der Fälle, wenn ich etwas aufschreibe, brauche ich die Information später gar nicht. Aber das ist egal, denn der Kopf ist frei und ich kann mich auf die aktuellen Dinge konzentrieren. Und für die 10% der Fälle, in denen ich die Information später wirklich brauche, habe ich sie ja aufgeschrieben.
Coping-Strategien#
Weitere Dinge, die mir helfen:
- Friktion reduzieren: Je einfacher es ist, an etwas zu denken oder es zu tun, desto besser.
- Das “Dinge einen festen Platz geben” klappt bei mir leider nicht so gut, wie ich wollte.
- Aber ich versuche, Dinge so zu organisieren, dass ich sie einfach immer da habe.
- Mein Geldbeutel verlässt nie den Ort, an dem ich ihn trage.
- Meine Schlüssel haben alle piepsende Schlüsselfinder, um sie schnell zu finden.
- Und alle anderen Werkzeuge versuche ich digital zu halten – denn das Smartphone ist immer dabei.